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Jahrestagung Tagung 2027 – Lüneburg, 8.–9. März 2027

„Zukunft der Beschäftigung: Künstliche Intelligenz, demografischer Wandel und ökonomische Anpassungsprozesse“

John Maynard Keynes prägte 1930 in seinem Essay Economic Possibilities for our Grandchildren den Begriff der „technologischen Arbeitslosigkeit“, die er jedoch eher als ein kurzfristiges Phänomen verstand, das durch gesamtwirtschaftliche Anpassungsprozesse überwunden werden könne.

Vor diesem Hintergrund lädt die Keynes-Gesellschaft dazu ein, aktuelle Entwicklungen erneut aus einer keynesianischen Perspektive zu betrachten und dabei auch langfristige Entwicklungen in den Blick zu nehmen: Welche Auswirkungen haben KI-gestützte Technologien und der demografische Wandel auf Beschäftigung, Löhne und Produktivität? Welche makroökonomischen und institutionellen Anpassungsmechanismen sind erforderlich, um technologische Transformationen in stabile und inklusive Beschäftigungspfade zu überführen und krisenhafte Entwicklungen zu vermeiden?

Wir laden dazu ein, Beiträge aus der Volkswirtschaftslehre, der politischen Ökonomie und verwandten sozialwissenschaftlichen Disziplinen einzureichen, die sich mit folgenden Themen befassen:

Thematische Schwerpunkte

  • Zukunft der Arbeit im Zeitalter von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (Arbeitszeitgestaltung, Qualität von Bildung, Zugangsgerechtigkeit u.a.m.)
  • Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und Künstliche Intelligenz.
  • Arbeitsmigration, internationale Mobilität und globale Wettbewerbsdynamiken.
  • Herausforderungen sozialer Sicherungssysteme durch KI-Automatisierung und demografischen Wandel.
  • Einkommensverteilung und soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter.
  • Makroökonomische Effekte von Künstlicher Intelligenz (Produktivität, öffentliche Finanzen, Finanzmärkte u.a.m.)
  • Die Rolle öffentlicher und privater Investitionen als Voraussetzungen für inklusives und langfristiges Wachstum.
  • Industrie- und Innovationspolitik zur Gestaltung des Strukturwandels in Deutschland.

Darüber hinaus sind alle Themen mit Bezug zur Lehre von Keynes willkommen.

Vortragsfolien sollen im geschützten Bereich auf der Homepage der Keynes-Gesellschaft veröffentlicht werden. Darüber hinaus ist die Veröffentlichung eines Tagungsbandes möglich.

Die Keynes-Gesellschaft ist um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bemüht und freut sich daher insbesondere über Beiträge von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern.

Einreichung von Beiträgen

Bitte senden Sie ein Abstract (max. 200 Wörter) des geplanten Beitrags bis zum
30.11.2026 an vortraege@keynes-gesellschaft.de. Verwenden Sie dazu bitte die angefügte Vorlage.

Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis Anfang Januar 2027 durch ein Auswahlkomitee der Keynes-Gesellschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Hagen Krämer und Prof. Dr. Christian Proaño.

Veranstalter
Keynes-Gesellschaft e.V.

Tagungskoordination vor Ort
Keynes-Gesellschaft – Regionalgruppe Nord
Dr. Arno Brandt
Torsten Windels

Call for Papers als pdf

Vorlage zur Einreichung eines Abstracts

Trauernotiz

Wir trauern um Professor Dr. Richard Hauser

Unser hochgeschätzter Mitglied Professor Dr. Richard Hauser ist am 4. April im Alter von 89 Jahren gestorben.
Wir verlieren einen herausragenden Ökonomen und eine geschätzte Persönlichkeit.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

Zum Tode von Professor Dr. Richard Hauser – Universität Frankfurt

Jahrestagung Tagung 2026 – Duisburg, 9.–10. März 2026

„Keynes und die Möglichkeiten unserer Enkelkinder“

Die 22. Jahrestagung Tagung der Keynes-Gesellschaft fand vom 9. – 10. März 2026 an der Universität Duisburg zum Rahmenthema „Keynes und die Möglichkeiten unserer Enkelkinder“ statt.

Weitere Informationen unter  Tagungen 

Jahrestagung Tagung 2026 – Duisburg, 9.–10. März 2026

„Keynes und die Möglichkeiten unserer Enkelkinder“

Mit seinem berühmten Essay „Economic Possibilities for our Grandchildren“ (1930) entwarf John Maynard Keynes eine Zukunftsvision, in der technologischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wohlstand zu einer drastischen Reduktion der Arbeitszeit und zu einer neuen Lebensweise führen würden. Fast ein Jahrhundert später stellt sich die Frage, welche seiner Überlegungen heute noch Gültigkeit haben – und welche neuen Herausforderungen und Möglichkeiten sich unserer und den kommenden Generationen eröffnen.

Die Tagung nimmt Keynes’ Vision zum Anlass, über Gegenwart und Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft nachzudenken. Im Zentrum stehen sowohl theoretische als auch wirtschaftspolitische Perspektiven auf nachhaltiges Wachstum, soziale Gerechtigkeit und makroökonomische Steuerung im Sinne einer erweiterten keynesianischen Tradition.

Das aktuelle Tagungsprogramm und weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Tagung.

Die Abstracts der Vorträge des offenen Tagungsteils finden die Mitglieder der Keynes-Gesellschaft im Mitgliederbereich (Passwort erforderlich) unter „Aktuell – Texte, Präsentationen und Abstracts zur Jahrestagung 2026.

Jürgen Kromphardt

Jürgen Kromphardt (1933-2025)

Am 16.11.2025 ist der Gründer der Keynes-Gesellschaft, ihr langjähriger erster Vorsitzender und späterer Ehrenvorsitzender Prof. Dr. Jürgen Kromphardt im Alter von fast 92  Jahren in Berlin verstorben.

In der Rückschau auf sein akademisches Lebenswerk zeigt sich, dass seine Forschung stets von gesamtwirtschaftlichen Fragen geprägt war. Dies wird schon in seinen ersten Veröffentlichungen deutlich, die sich mit Problemen der Wachstumstheorie und der Zahlungsbilanz beschäftigten. So lautete das Thema seiner Dissertation bei Erich Schneider in seiner Geburtsstadt Kiel 1957 Beiträge zur Theorie des Wachstums offener Volkswirtschaften. Ein zweijähriges Stipendium ermöglichte es ihm, die Schrift Strukturwandel und Einkommensverteilung. Die Entwicklung in der Nachkriegszeit zu verfassen, mit der er 1967 von der Universität Münster habilitiert wurde. Bereits 1968 erhielt Jürgen Kromphardt einen Ruf auf eine ordentliche Professur für Volkswirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, wo er zwölf Jahre lehrte. 1980 wechselte er auf eine Professur für Volkswirtschaftslehre insbesondere Wirtschaftstheorie an der Technischen Universität Berlin.

Makroökonomische Gedankengänge beherrschen auch seine späteren Arbeiten zur Phillips-Kurve und zur Lohnentwicklung im Aufschwung. Herausragend sind seine Lehrbücher zu Konjunktur, Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit sowie zu den Grundlagen der Makroökonomie, die lange Zeit Standardwerke für makroökonomische Vorlesungen gewesen sind.   

Jürgen Kromphardt bewegte sich keineswegs nur im Elfenbeinturm der Wissenschaft.  Von 1958-1965 und 1967/68 übte Jürgen Kromphardt eine Tätigkeit bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Luxemburg und Brüssel aus, im Statistischen Amt sowie in der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen.   

Jürgen Kromphardt hat wissenschaftliche Aktivitäten stets mit großem gesellschaftlichem Engagement und intensiver Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verbunden. Von 1968 bis 1999 gehörte er dem Theoretischen Ausschuss des Vereins für Socialpolitik an, in dessen Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften er seit seiner Gründung im Jahr 1980 bis ins hohe Alter aktiv mitgearbeitet hat.

In der Friedrich-Ebert-Stiftung war Jürgen Kromphardt von 1984-1998 Mitglied des Auswahlausschusses und von 1995-1998 Mitglied der Zukunftskommission. Viele Jahre war er auch einer der Sprecher des Kocheler Kreises für Wirtschaftspolitik. Seit 1996 gehörte er dem Kuratorium der FES an. Die Betonung makroökonomischer Zusammenhänge war auch prägend für seine Zeit als Politikberater mit dem Höhepunkt seiner Mitgliedschaft im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von 1999 bis 2004. Er stellte sich dort gegen den seinerzeit immer mehr anschwellenden Strom rein angebotspolitischer Analysen, indem er die Nachfrageseite immer mit ins Bild seiner Vorschläge nahm, was ihn häufig in eine Minderheitenposition brachte.  Die gesamtwirtschaftlichen Analysen von Jürgen Kromphardt basierten auf der Lehre von John Maynard Keynes. Dabei war Jürgen Kromphardt nicht nur ein profunder Kenner des Originalwerks von Keynes, sondern er war auch bestens mit den nachfolgenden Entwicklungen des Post- und Neukeynesianismus vertraut, ohne allerdings deren Überlegungen unkritisch zu übernehmen.

Insofern war es nur konsequent, dass Jürgen Kromphardt nach seiner Emeritierung im Dezember 2003 die Keynes-Gesellschaft gründete, die seit April 2004 ein gemeinnütziger Verein ist, dessen Mitgliederzahl ständig zugenommen und zum Zeitpunkt seines Todes über 180 Mitglieder hat. Jürgen Kromphardt war bis 2013 ihr äußerst aktiver Gründungsvorsitzender und seitdem ihr erster Ehrenvorsitzender. Seit der ersten erfolgreichen Auftakttagung in Stuttgart-Hohenheim 2006 führt die Keynes Gesellschaft regelmäßige Jahrestagungen durch. Zugleich erscheinen seit der Festschrift zu seinem 75. Geburtstag 2008 als erstem Band die Schriften der Keynes-Gesellschaft im Metropolis-Verlag Marburg.

Gemäß dem ausdrücklichen Wunsch ihres Gründungsvorsitzenden sieht die Keynes-Gesellschaft eine Hauptaufgabe darin, eine Internetpräsentation der Veröffentlichungen von und über Keynes sowie über die keynesianische Theorie anzubieten und damit eine wissenschaftliche Dokumentation über das Leben, Wirken und Nachwirken von John Maynard Keynes in Wissenschaft und Politik zu erstellen. Besonders bemerkenswert ist auch die von Jürgen Kromphardt zusammen mit Stephanie Schneider vorgenommene Korrektur und Überarbeitung der deutschen Übersetzung des Keynesschen Hauptwerkes Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, die erstmals 2006 als verbesserte Auflage vom Verlag Duncker & Humblot in Berlin herausgegeben wurde.

Während Jürgen Kromphardt noch in seiner Zeit im Sachverständigenrat als Außenseiter galt und gelegentlich mit dem Etikett des „letzten Keynesianers“ versehen wurde, änderte sich dies mit der Großen Rezession von 2008/2009, die ihren Ausgangspunkt auf den Finanzmärkten hatte, die entgegen der Fama-These eben nicht inhärent stabil und effizient waren. Unter Bezugnahme auf Keynes wurde weltweit mit kräftigen Zinssenkungen und einer expansiven Fiskalpolitik auf die größte Wirtschaftskrise seit der Großen Depression der 1930er Jahre reagiert. Mit der „Rückkehr des Meisters“ (Robert Skidelsky) gewannen nun Überlegungen zur Bedeutung der effektiven gesamtwirtschaftlichen Nachfrage gegenüber rein angebotsseitigen Sichtweisen wieder deutlich an Gewicht.

In der Beantwortung der Frage, inwieweit die Lehren von Keynes bei entsprechenden Erweiterungen und Anpassungen an die moderne Entwicklung Entscheidendes für eine gute Wirtschaftspolitik beizutragen haben, liegt das akademische Vermächtnis von Jürgen Kromphardt. Damit bleibt sein Werk ein bleibender Bezugspunkt für die ökonomische Diskussion und die Arbeit der Keynes-Gesellschaft.

Harald Hagemann, Gustav A. Horn und Hagen Krämer