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A.II.11. The Means to Prosperity, 1933
(C.W., Vol. IX, S. 335-366)

 

Deutsch: Wege zur Wiedererlangung der Prosperität. In: H. Mattfeldt: Keynes. Kommentierte Werksauswahl. Hamburg (VSA), 1985, S. 143-151

Aufgrund der nach dem Erscheinen der Treatise on Money einsetzenden Diskussionen erkannte Keynes -die Weltwirtschaftskrise war inzwischen voll ausgebrochen -, dass er ganz in der Tradition seines ökonomischen Lehrers Alfred Marshall das eigentliche gesamtwirtschaftliche Problem gar nicht behandelt hatte. Er war nämlich implizit stets von vollbeschäftigten Ressourcen ausgegangen.

Dieses ca. 30 Seiten umfassende Pamphlet (wie Keynes es selber nennt) basiert auf vier Artikeln, die Keynes im März 1933 in „The Times“ veröffentlichte und die eine heftige Diskussion auslösten. Kurz danach erschien es als Einzelschrift; für die USA fertigte Keynes eine erweiterte Version an, die für die Collected Writings ausgewählt wurde.

Keynes legt zwei miteinander verknüpfte Vorschläge vor. Der erste stützt sich auf die kurz zuvor von Kahn (1931) präzisierte Idee des Multiplikators; demzufolge haben zusätzliche kreditfinanzierte Staatsausgaben einen Produktions- und Einkommenseffekt, der ein Mehrfaches des Betrags dieser Ausgaben beträgt (Keynes schätzt den Multiplikator auf 2,0). Bei einer Steuer- und Abgabenquote von ca. 0,3 resultiert daraus eine Selbstfinanzierungsquote von 60%, so dass der Nettoverschuldungseffekt nur 40% der zusätzlichen Ausgaben betrage. Keynes fordert die Regierungen auf, durch derartige zusätzliche Ausgaben die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, da diese vor allem durch fehlende Güternachfrage geprägt sei.

Da eine auf diesem Wege ausgelöste Expansion von Produktion, Einkommen und Beschäftigung erhöhte Importe hervorruft, Großbritannien (und viele andere Länder) aber mit Leistungsbilanzproblemen zu kämpfen hatten, schlägt Keynes vor, die bevorstehende „World Economic Conference“ solle – um dieser Seite des Problems Rechnung zu tragen – eine internationale Behörde gründen, die alle beteiligten Staaten mit zusätzlich geschaffener internationaler Liquidität versorgen soll. Dafür solle sie in Gold denominierte, international zur Zahlung verwendbare Noten emittieren, die jedes Land bis zu einem bestimmten Betrag gegen eigene Staatsanleihen erwerben kann, um danach über zusätzliche internationale Zahlungsmittel zu verfügen. Zu diesem Zweck sollten die Länder ihre Währung an den Goldpreis binden, mit der Möglichkeit der Anpassung des Wechselkurses. Diese Vorschläge scheitern auf der Konferenz (Juni/Juli 1933) vor allem am Widerstand der USA. Sie wurden erst 1944 – auf der Konferenz von Bretton-Woods – in den Vereinbarungen zum Weltwährungssystem in Form von Sonderziehungsrechten im Rahmen eines Systems fester, aber veränderbarer Wechselkurse verwirklicht.