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A.III.3. The General Theory of Employment, (1937)

In: Quarterly Journal of Economics, Vol. 51, S. 209-223. Wiederabgedruckt in: J.M. Keynes, Collected Writings, Vol. XIV, S. 109-123. London etc. (Macmillan, Cambridge University Press) 1973
Mit diesem Artikel reagierte Keynes auf vier Besprechungen seiner „General Theory“ im „Quarterly Journal of Economics“ (Vol. 50, 1936) von renommierten Ökonomen nämlich Taussig, Leontief, Robertson und Viner. Er setzt sich besonders mit Viner auseinander, weil dieser die wichtigste Kritik geübt hatte. Er stellt vor allem klar, dass eine höhere Liquiditätsneigung sich nicht in einem höheren Geldbestand äußert – dessen Höhe ist vor allem von der Zentralbank bestimmt -, sondern in höheren Zinsen; denn diejenigen, die mehr Geld halten wollen, verkaufen Wertpapiere und deren sinkender Kurswert ist gleichbedeutend mit einem höheren Effektivzins.

Den größten Teil des ihm zugestandenen Textumfangs benutzt Keynes jedoch, statt auf Einzelargumente einzugehen, die drei Punkte herauszuarbeiten, in denen er am deutlichsten von früheren Theorien abweicht.

1. Als ersten Punkt nennt Keynes die Tatsache, dass die langfristig orientierten Nationalökonomen von Ricardo bis Marshall davon ausgehen, das Ausmaß der Beschäftigung der Ressourcen sei gegeben. Dazu müssten dann aber auch die Erwartungen (relevant sind vor allem die Renditeerwartungen der Investoren) entsprechend sicher sein. In Wirklichkeit aber seien Erwartungen sehr unsicher: „Actually, however, we have, as a rule, only the vaguest ideas of any but the most direct consequences of our acts“ (S. 113).

Diese gelte vor allem für die Investitionen, denn: “The whole object of the accumulation of wealth is to produce results, or potential results, at a comparatively distant, and sometimes at an indefinitely distant, date. Thus the fact that our knowledge of the future is fluctuating, vague and uncertain, renders wealth a peculiarly unsuitable subject for the methods of the classical economic theory… By “uncertain” knowledge, let me explain, I do not mean merely to distinguish what is known for certain from what is only probable. The game of roulette is not subject, in this sense, to uncertainty… The sense in which I am using the term is that, in which the prospect of a European war is uncertain, or the price of copper and the rate of interest twenty years hence, or the obsolescence of a new invention or the position of private wealth owners in the social system, in 1970. About these matters there is no scientific basis on which to form any calculable probability whatever. We simply do not know.” (S. 113/114)

Wegen dieser Unsicherheit werden Erwartungen meistens anders gebildet, nämlich durch:

a) Extrapolation der Vergangenheit
b) Verlassen auf die aktuellen Preise und Mengen
c) Verlassen auf die Erwartung anderer Personen, die man für besser informiert hält

Die Basis solcher Erwartungen sei so zerbrechlich (flimsy), dass diese plötzlichen und heftigen Schwankungen unterworfen seien. Die klassische Theorie dagegen versuche, bei der Beschäftigung mit der Gegenwart davon zu abstrahieren, dass wir sehr wenig über die Zukunft wissen.

2. Eine zentrale Rolle spielen Zukunftserwartungen auch auf dem Geldmarkt, nämlich bei den Entscheidungen über die Kassenhaltung. Neben der Tauschfunktion hat Geld auch die Wertaufbewahrungsfunktion. Aber wieso, fragt Keynes, sollte jemand außerhalb einer Nervenheilanstalt sein Geld zinslos halten? Doch nur deshalb, weil wir unseren Erwartungen nicht trauen: „… our desire to hold money as a store of wealth is a barometer of the degree of our distrust of our own calculation and conventions concerning the future“ (S. 116). Das entgangene Zinseinkommen ist der Preis, den man für das Halten von Geld in zinsloser Form entrichten muss. Je höher der Zins, desto höher das entgangene Einkommen; steigt der Zins, werden sich also mehr Leute entscheiden, ihr Geldvermögen zinstragend anzulegen. Mithin sorgt der Zins für die Anpassung der gewünschten Geldhaltung an die vorhandene Geldmenge.

3. Die Frage nach den Bestimmungsgründen des Niveaus der Gesamtproduktion hat die Theorie für mehr als 100 Jahre vernachlässigt, weil sie diese stillschweigend als gegeben angenommen hat. Sie kann mittels der Theorie der effektiven Nachfrage beantwortet werden. Diese Theorie „… can be summed up by saying that, given the psychology of the public, the level of output and employment as a whole depends on the amount of investment“.

Die Konzentration auf diese drei Punkte ist sehr hilfreich, um den Kern der “Allgemeinen Theorie” von Keynes zu erkennen.